Zwischentöne
aus dem Gedichtband:

  Nagel

  Ich bin spitz
  und durch und durch
  hart und fest und fest
  im Holz

  Ich halte
  durch und ganz und ganz
  fest und still und still
  im Sarg

  Ich breche
  nicht -
  mein Schicksal

  In den Gezeiten des Traumes

  Ich ziehe mir die Nacht bis über beide Ohren,
  der Türe schließe ich die Augen,
  um dumpfe Stille aufzusaugen.
  Schon gebe ich den Kampf verloren,
  da die Erinnerungen deiner Worte
  bis in mein Jenseits greifen wollen.
  Doch fest mein Vorsatz,
  im Morgen
  den Wellen nachzusetzen.
  Ganz langsam zieht mich Todes Bruder
  in seine Arme, atmet mich, und
  EisVogelFreiWildWasserKopfLos-
  GlückWunschZettelKastenSchloß-
  Herr-aus ins Licht der Zuversicht
  in dem sich spiegelt dein Gesicht.


  Flügel im Frühling

  Wenn der Himmel blüht
  und Schmetterlinge funkeln
  such' ich deinen Zweifeln
  einen Griff,
  und breite deinen Flügeln
  meine Lieder aus,
  daß Mond und Sonne
  dein Gesicht bestaunen.

  Laß uns den Frühling reiten
  und die Wolken pflügen.
  Fliege nicht so hoch wie Ikarus,
  und dreh' dich nicht wie Orpheus,
  senke nicht dein Haupt.
  So laß uns nichts bereuen,

  nur miteinander schweigen.

  Mächtige (in memoriam Kurt Marti)

  Er sagt,
  er gebiete
  über viele Millionen Menschen.

  Ich sage,
  ich ging hervor
  unter vielen Millionen Möglichkeiten.

  Er sagt,
  er duze sich
  mit allen Mächtigen der Welt.

  Ich sage,
  ich duze mich
  mit dem Allmächtigen.

  Fremd

  fremd bin ich
  in der fremde
  und mir in ihr

  fast
  ein anderes leben

  gewöhnt bin ich
  ans gewohnte
  und an mich in ihm

  fast
  ein gewöhnliches leben

  doch will ich
  wie gewohnt
  das andere



  er und sie*

  erster
  erste
  erst
  er
  oder
  sie
  sieg
  siegt

  die Vernunft




* für Minnie Maria Rembe, Pfälzer Dichterin

  Verliebt in sein Bild
  im Wasser. Die Sonne scheint
  in seinem Rücken